Ein paar Worte zu den Plänen der OSMF zur Verhaltensregulierung

Machine translation in English by deepl.com can be found below, should not be read under the assumption of semantic equivalence though.

Die OpenStreetMap Foundation OSMF hat vor kurzem angefangen, Ihre Pläne und Ideen zur Verhaltensregulierung auf Kommunikationskanälen unter Kontrolle der OSMF öffentlich vorzustellen. Und ich habe von mehreren Seiten die Erwartung kommuniziert bekommen, dass ich dazu Stellung nehme – vor dem Hintergrund, dass ich zu dem Thema Verhaltensregeln in OpenStreetMap sowohl ganz grundsätzlich als auch zu konkreten Ideen und den diesen zugrunde liegenden philosophischen Konzepten und Wertvorstellungen schon einiges geschrieben habe.

Ich tue dies hier wie bereits zuvor in meiner Muttersprache, insbesondere um klarzustellen, dass englischen Muttersprachlern zu diesem Thema keine Deutungshoheit über die Begriffe und Argumente zusteht. Eine maschinelle Übersetzung auf Englisch ist unten der Einfachheit halber angefügt, diese ist aber ausdrücklich nicht dafür gedacht, unter der Annahme der Bedeutungsgleichheit gelesen zu werden.

Wer jetzt ähnlich wie beim sogenannten diversity statement vor eineinhalb Jahren eine detaillierte Textkritik erwartet, den muss ich allerdings enttäuschen. Dies liegt zum einen daran, dass die vorgestellten Texte bis jetzt nur Entwürfe darstellen und noch keine offiziellen Regeln der OSMF. Vor allem aber werden diese Dokumente nicht wie das sogenannte diversity statement als allgemeine Regeln und Wertvorstellen für die gesamte OSM-Community präsentiert, sondern als Regeln für zwei Mailinglisten, welche von der OSMF betrieben werden. Wenn eine Gruppe von Aktiven in der OSMF gerne Kommunikationskanäle hätte, auf denen sie sicherstellen können, dass alle Teilnehmer dort und deren Kommunikation ihren kulturellen Werten und Vorstellungen von angemessenem Verhalten entsprechen und Menschen, die dies nicht können oder wollen, dort ausgeschlossen werden, dann ist daran meiner Ansicht nach überhaupt nichts dran auszusetzen. Und eine Kritik daran käme – egal ob sie grundsätzlich ethisch-philosophisch oder subjektiv aus Perspektive einer anderen Kultur mit anderen Werten erfolgt – einer Kulturkritik gleich. Und wenngleich eine solche Kulturkritik denke ich hier durchaus legitim wäre, würde sie vor dem Hintergrund der übergreifenden Frage, wie denn in OpenStreetMap Leute aus verschiedenen Teilen der Welt mit vollkommen unterschiedlichen Wertvorstellungen und sozialen Traditionen gleichberechtigt miteinander kooperieren können, nicht viel zur Sache beitragen.

Dass hier für die Einrichtung solcher kulturspezifischer Kommunikationskanäle existierende Mailinglisten, welche bis jetzt auch für Menschen weit außerhalb dieses Kulturkreises wichtige Funktionen erfüllen, umgewidmet werden sollen, ist natürlich keine besonders freundliche und rücksichtsvolle Vorgehensweise. Aber das ist nichts, womit die weltweite OSM-Community nicht klar käme.

Auch wenn es natürlich auf den ersten Blick recht skurril erscheint, wenn ein Regelwerk der Verhaltenskontrolle, welches als zentrales Element die unbedingte Intoleranz gegenüber bestimmten Verhalten kundtut (also dass bestimmtes Verhalten unbedingt sanktioniert wird unabhängig vor welchem kulturellen und persönlichem Hintergrund und aus welcher Motivation heraus sich jemand so verhält), als Instrument für mehr Vielfalt präsentiert wird, leuchtet dies beim näheren Hinsehen durchaus ein. Die Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Werten und Verhaltensweisen, welche für die inter-kulturelle Zusammenarbeit in OpenStreetMap so essentiell ist, bedeutet nämlich letztendlich auch, dass wir diese Toleranz auch gegenüber Menschen aufbieten müssen, die nicht in der Lage oder willens sind, völlig reziprok unsere Andersartigkeit in Verhalten und Kultur gegenüber ihnen zu tolerieren.

Was mir jedoch Sorgen macht ist, dass im Zuge der Planungen für diese verhaltensregulierten Kommunikationskanäle Leute aus der OSMF, welche an diesen Planungen beteiligt sind, in Ihrer Arbeit völlig reflexions- und kritikfrei auf totalitäre Ideen Bezug nehmen. Ich denke hierbei vor allem an die Initiative von Steve Coast von 2010, welche von einem aktuellen OSMF-Vorstands-Mitglied verharmlosend als seems crazy today charakterisiert wird und welche Grundlage aktueller offizieller OSMF-Policy ist (wenngleich diese natürlich weitgehend ohne praktische Bedeutung ist) als auch ohne kritische Diskussion der fragwürdigen Herkunft dieser Konzepte wieder in die geplanten Regeln zur Verhaltensregulierung eingegangen ist. In erheblichem Maße gilt dies jedoch auch für das Ende letzten Jahres veröffentlichte Pampflet, welches in der OSMF ganz selbstverständlich als Grundlage für die Arbeit verwendet wird ohne dass es (zumindest in der Öffentlichkeit) auch nur Ansätze zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den dort kommunizierten Ideen gegeben hat.

Vor diesem Hintergrund möchte ich eines noch mal ganz deutlich betonen: OpenStreetMap ist ein soziales Experiment. Die dahinter stehende Idee ist, dass Menschen von überall auf der Welt mit völlig unterschiedlichen persönlichen und kulturellen Hintergründen, die größtenteils aufgrund sprachlicher und anderweitiger Hürden kaum verbal miteinander kommunizieren können, über das gemeinsame Ziel der Sammlung lokalen geographischen Wissens über ihre jeweilige Umgebung gleichberechtigt miteinander kooperieren. Obwohl OpenStreetMap als Daten-Sammlung mittlerweile ohne Zweifel als Erfolg betrachtet werden kann, ist die Frage, ob OpenStreetMap mit der beschriebenen Idee als soziales Projekt erfolgreich ist, noch völlig offen. Wie das Experiment ausgeht, wird maßgeblich davon abhängen, ob die Gesellschaften und Kulturen, aus denen sich OpenStreetMap rekrutiert – und zwar jetzt und in der Zukunft – reif und tolerant genug sind, um die geschilderte gleichberechtigte Zusammenarbeit über kulturelle, sprachliche und persönliche Grenzen hinweg zu ermöglichen.

Im Grunde ist dieser Grundsatz von Toleranz ohne die Bedingung der unmittelbaren Reziprozität (will heißen, dass man Akzeptanz und Respekt gegenüber Andersartigkeit in Werten und Verhalten gegenüber anderen zeigt, unabhängig davon, ob diese im selben Maße Toleranz zeigen) der Kern von dem, was bereits seit den frühen Jahren von OpenStreetMap als assume good faith/intentions zu den wenigen Grundwerten des Projektes gehört.

Schaffen wir es nicht mehrheitlich individuell wie auch kollektiv, diese soziale Reife und Toleranz aufzubringen, dann wird OpenStreetMap als soziales Projekt scheitern. Dies wäre nicht unmittelbar sichtbar, OpenStreetMap als Daten-Sammlung ohne dies geschilderte soziale Komponente der gleichberechtigten kultur-übergreifenden Kooperation könnte natürlich zumindest eine Zeit lang fortbestehen. Aber es wäre dann halt im Grunde nichts anderes als eine Neuauflage der Internationalen Weltkarte im digitalen Zeitalter unter Nutzung von Crowdsourcing – mit ähnlichen kolonialen und kulturimperialistischen Tendenzen und damit langfristig auf dem Weg, vom selben Schicksal ereilt zu werden.

A few words about OSMF’s plans for behavioral regulation

The OpenStreetMap Foundation OSMF has recently started to publicly present your plans and ideas for behavior regulation on communication channels under OSMF control. And I have been communicated from several quarters the expectation that I comment on this – against the background that I have already written quite a bit on the subject of behavioral regulation in OpenStreetMap, both quite fundamentally and on specific ideas and the philosophical concepts and values that underlie them.

I do so here, as I have done before, in my native language, especially to make clear that native English speakers have no interpretive authority over the concepts and arguments on this topic. A machine translation in English is added below for convenience, but this is expressly not intended to be read under the assumption of equality of meaning.

However, if you are now expecting a detailed textual critique similar to the so-called diversity statement a year and a half ago, I must disappoint you. On the one hand, this is due to the fact that the presented texts are only drafts so far and not yet official rules of the OSMF. Above all, these documents are not presented as general rules and values for the whole OSM community like the so-called diversity statement, but as rules for two mailing lists which are operated by the OSMF. If a group of active people in the OSMF would like to have communication channels where they can make sure that all participants there and their communication conform to their cultural values and ideas of appropriate behavior, and people who can’t or don’t want to do that are excluded there, then I don’t think there is anything wrong with that at all. And a criticism of this – regardless of whether it is fundamentally ethical-philosophical or subjective from the perspective of another culture with other values – would be tantamount to cultural criticism. And even though such a cultural critique would be legitimate here, it would not contribute much to the overall question of how people from different parts of the world with completely different values and social traditions can cooperate with each other in OpenStreetMap.

The fact that for the establishment of such culture-specific communication channels existing mailing lists, which until now have fulfilled important functions for people far outside this cultural circle, are to be repurposed here, is of course not a particularly friendly and considerate approach. But this is nothing that the worldwide OSM community would not be able to cope with.

Even if it seems quite bizarre at first glance, when a set of rules for behavior control, which as a central element announces the unconditional intolerance of certain behavior (i.e. that certain behavior will be sanctioned regardless of the cultural and personal background and motivation for which someone behaves in such a way), is presented as an instrument for more diversity, this makes sense on closer inspection. Tolerance towards other cultures, values and behaviors, which is so essential for inter-cultural cooperation in OpenStreetMap, ultimately also means that we have to offer this tolerance towards people who are not able or willing to tolerate our difference in behavior and culture towards them in a completely reciprocal way.

What worries me, however, is that in the course of planning for these behavior-regulated communication channels, people from the OSMF who are involved in this planning refer to totalitarian ideas in their work completely without reflection or criticism. I am thinking in particular of Steve Coast’s 2010 initiative, which is belittlingly characterized by a current OSMF board member as seems crazy today and which is the basis of current official OSMF policy (though of course largely without practical significance) as well as having been reincorporated into the planned rules for behavior regulation without critical discussion of the questionable origins of these concepts. To a considerable extent, however, this also applies to the pampflet published at the end of last year, which is quite naturally used as a basis for work in the OSMF without there having been even the beginnings (at least in public) of a critical discussion of the ideas communicated there.

Against this background, I would like to emphasize one thing again very clearly: OpenStreetMap is a social experiment. The idea behind it is that people from all over the world with completely different personal and cultural backgrounds, who for the most part can hardly communicate verbally with each other due to language and other barriers, cooperate with each other on an equal footing over the common goal of collecting local geographic knowledge about their respective surroundings. Although OpenStreetMap as a data collection can now undoubtedly be considered a success, the question of whether OpenStreetMap with the described idea is successful as a social project is still completely open. How the experiment turns out will largely depend on whether the societies and cultures from which OpenStreetMap is recruited – both now and in the future – are mature and tolerant enough to allow the described equal cooperation across cultural, linguistic and personal boundaries.

In essence, this principle of tolerance without the condition of immediate reciprocity (that is, showing acceptance and respect for otherness in values and behavior toward others, regardless of whether they show tolerance to the same degree) is the core of what has been the assume good faith/intentions among the few core values of the project since the early years of OpenStreetMap.

If we do not manage, individually as well as collectively, to bring up this social maturity and tolerance by a majority, then OpenStreetMap will fail as a social project. This would not be immediately visible, OpenStreetMap as a data collection without this described social component of equal cross-cultural cooperation could of course continue at least for a while. But it would then be basically nothing more than a new edition of the International World Map in the digital age using crowdsourcing – with similar colonial and cultural imperialistic tendencies and thus in the long run on the way to be met by the same fate.

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