Fragebogen „Alte Schule“: Achim Reichel

Erste Reihe oder letzte Bank?

Erste Reihe, was keineswegs als Auszeichnung gedacht war. Dort war ich besser im Zaum zu halten und gezwungen, mich zusammenzureißen.

Influencer oder Follower?

In den 50er-Jahren hieß es noch Anführer oder Mitläufer. Es waren meist die Größeren, zu denen man als limitiert Bemittelter bewundernd aufschaute.

Mein Hobby in der Pause?

Ditschen. Jeder Mitspieler warf pro Runde eine Zehnpfennigmünze mit dem Ziel, sie möglichst nah an einer circa drei Meter entfernten Wand zu platzieren. Wer am nächsten dran war, gewann den Pott.

Meine größte Stunde?

Immer die, nach der es für den Rest des Tages hitzefrei gab.

Das würde ich gern vergessen:

Im Englisch-Eignungstest stand auf der Tafel „Time is money“. Als ich aufgerufen wurde, es laut vorzulesen, erwachte ich aus meinen Tagträumen und las „Time is monkey“. Peinlich – und durchgefallen.

Ein Denkmal gebührt …

… meinem Lehrer Manfred Knoop. Er ließ es sich nicht nehmen, auf dem Konzert zu meinem 50. Geburtstag in der Großen Freiheit zu erscheinen. Als ich ihn von der Bühne herab entdeckte, rief ich ins Mikrofon: „Leute, mein Schullehrer ist auch da!“ Jemand aus dem Publikum fragte lauthals: „Was hat er dir denn beigebracht?“ Der rüstige alte Schulmeister zeigte in meine Richtung und rief: „Na, da sieht man’s doch“!

Lernen ist …

… Futter für die Neugier aufs Leben. Für mich als frühreifen Spätentwickler hat es Bruce Springsteen treffend formuliert: „We learned more from a 3-minute-record, baby, then we ever learned in school.“

Noten sind …

… ein sehr eingeschränktes Mittel zur Motivation.

Schule müsste …

… die Talente und Neigungen eines jeden Schülers ergründen, um auf eine Eignung schließen zu können, die herausgebildet werden will.

Entschuldigen muss ich mich bei …

… dem Hausmeister der benachbarten Mädchenschule, weil wir im Pausenhof einen Sport daraus machten, mit Kieselsteinen in das meist offen stehende Fenster seiner Speisekammer zu treffen.

Entschuldigen muss sich bei mir …

… niemand. Ist ja alles sehr lang her.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es einmal die Woche „Alte Schule“.